Häufige Fragen zum Thema Sunshine-Regulierung
So wie Sonnenlicht Licht ins Dunkel bringt, soll die Sunshine-Regulierung Kostenstrukturen und Qualitätskennzahlen von Netzbetreibern offenlegen. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn Leistungen transparent und vergleichbar gemacht werden, entsteht positiver Druck zu mehr Effizienz und Qualität bei den Netzbetreibern. Die ElCom entwickelte dafür ein System aus Indikatoren und Vergleichsgruppen, das in mehreren Testrunden den Netzbetreibern zugänglich gemacht wurde, mangels gesetzlicher Grundlage bisher jedoch nicht publiziert werden konnte.
Mit den geänderten gesetzlichen Grundlagen ist neu eine Publikation möglich. Diese erfolgt auf der bestehenden Strompreiswebseite der ElCom. Damit erhält auch die Öffentlichkeit Zugang zu den Transparenz-Indikatoren der Netzbetreiber in Ergänzung zu den Netz- und Energietarifen, welche bereits heute auf der Strompreiswebseite der ElCom publiziert und vergleichbar gemacht sind.
In der Schweiz ist der Netzbetrieb kein wettbewerblicher Markt. Oft haben einzelne Gemeinden oder Regionen ihren eigenen Netzbetreiber. Der Netzbetrieb sowie die Beschaffung von Energie für Privathaushalte und kleine Unternehmen sind nicht frei wählbar und bilden somit ein Monopol. Genau deshalb braucht es eine Regulierung, die dafür sorgt, dass die Preise fair sind und die Qualität stimmt.
Doch die traditionelle Regulierung stösst an ihre Grenzen: Die Schweiz hat rund 580 Netzbetreiber und eine permanente und detaillierte Überprüfung sämtlicher Netzbetreiber in allen Details ist für die ElCom schwer zu realisieren. Die Sunshine-Regulierung setzt genau hier an: Transparenz ergänzt die formellen Regulierungsinstrumente.
Mit der sogenannten Sunshine-Regulierung führt die ElCom Vergleiche der Netzbetreiber zu verschiedenen Indikatoren durch. Es handelt sich dabei um eine sogenannte «Transparenz-Regulierung»: Licht («Sunshine») wird in die regulierten Bereiche gebracht, wodurch die Tarif- und Kostensituation sowie die Qualität der erbrachten Leistung für Netzbetreiber und Konsumenten besser sichtbar und vergleichbar werden. In Ergänzung zu den Aufsichtsaktivitäten der ElCom, wie dem generellen Monitoring sowie den spezifischen Prüfungen, soll die Sunshine-Regulierung mit der Publikation der Indikatoren über die Vergleichsmöglichkeit zu einer Art «Selbstregulierung» motivieren und dabei zusätzliche Anreize für Effizienz und Qualität schaffen.
Die Sunshine-Regulierung basiert im Wesentlichen auf drei Elementen:
1. Messbare Indikatoren
Für jeden Netzbetreiber werden jährlich Kennzahlen erhoben, insbesondere:
- Preise: Wie hoch sind die Netznutzungsentgelte und die Energietarife?
- Versorgungsqualität: Wie oft und wie lange gibt es Stromunterbrechungen?
- Wirtschaftlichkeit und Kosten: Wie hoch sind die Kosten für den Netzbetrieb?
- Leistungsindikatoren: Werden Gesetze, Richtlinien und Weisungen eingehalten (Compliance)? Erfolgt eine adäquate Information bei Unterbrechungen?
Die Tarife für den Netzbetrieb und die Elektrizität sind bereits auf der Strompreiswebseite der ElCom abrufbar. Neu erhalten Besucherinnen und Besucher der Webseite über die Sunshine-Indikatoren auch Informationen zu möglichen Gründen für höhere oder niedrigere Preise. Mit den Sunshine-Indikatoren lassen sich also Stärken und Schwächen sichtbar machen.
2. Vergleichsgruppen
Da nicht alle Netzbetreiber gleich sind – ein Netzgebiet in einem Bergkanton birgt andere Herausforderungen als eines in einer Stadt –, vergleicht die ElCom die Betreiber nicht nur über die gesamte Schweiz, sondern gruppiert die Netzbetreiber über ähnliche Struktur, Grösse und Geografie.
Die Zuteilung in unterschiedlichen Gruppen, die sich nach Topografie und Grösse des Versorgungsgebietes richten, soll die Vergleichbarkeit verbessern und auf mögliche Gründe für höhere oder niedrigere Werte spezifischer Netzbetreiber hinweisen.
3. Veröffentlichung
Im Zentrum der Sunshine-Regulierung steht die Publikation der Indikatoren. Damit soll über den direkten Vergleich eine Art «Selbstregulierung» entstehen. Gute Werte eines Netzbetreibers sollen andere motivieren, ihre Leistungen ebenfalls zu verbessern.
Die ElCom erwartet durch die Sunshine-Regulierung folgende Effekte für Haushalte und Unternehmen:
- Mehr Klarheit und Transparenz über Strompreise und Verständnis dafür, warum ein Netz teurer ist als ein anderes.
- Die Sunshine-Regulierung ergänzt Vorschriften und Regulierungen. Ein öffentlicher Vergleich kann die Netzbetreiber dazu anregen, auch im Monopol effizient zu arbeiten und die Qualität und Effizienz zu verbessern.
- Vertrauensaufbau: Die Transparenz kann die Netzbetreiber motivieren, ihre Kommunikation mit den Endverbrauchern zu optimieren, wodurch die Glaubwürdigkeit der Regulierung insgesamt gestärkt wird.
Bei der Interpretation der Ergebnisse und deren Publikation sollten folgende Themen beachtet werden:
- Manche Netzbetreiber weisen besondere strukturelle Charakteristika auf, welche einen spezifischen Einfluss auf die Indikatoren haben und die Vergleichbarkeit teilweise relativieren. So spielt etwa bei Versorgungsunterbrüchen die geografische Situation eine wichtige Rolle (z. B. Unterbrüche durch Naturereignisse wie Lawinen). Aber auch bei den Kosten entstehen Unterschiede: Der Bau und Unterhalt in urbanen Regionen verursacht andere Kosten als in den Bergen oder im Mittelland. Mit der Darstellung in Gruppen kann daher der Einfluss besonderer Charakteristika, welche in der ganzen Gruppe ähnlich ausgeprägt sind, berücksichtigt werden, so dass die Vergleichbarkeit in der Gruppe in gewissem Ausmass sichergestellt werden kann. Dennoch bleiben Unschärfen bestehen. Denn nur mit der Gruppenbildung können ganz besondere und individuelle Umstände und Einflussfaktoren nicht spezifisch erfasst und deren Einfluss vergleichbar gemacht werden – dies würde zusätzliche statistische Analysen nötig machen.
- Daten müssen vergleichbar sein. Dazu werden die Indikatoren grundsätzlich auf Basis von Werten berechnet, welche die Netzbetreiber kontrollieren können. Kosten, die extern vorgegeben sind und die ein Netzbetreiber nicht oder nur bedingt steuern kann, wie beispielsweise Steuern und Abgaben, sind daher nicht in die Berechnung einbezogen. Trotzdem können Unterschiede entstehen, beispielsweise durch die relevanten Rechnungslegungsvorschriften, die Aktivierungspolitik eines Unternehmens oder aber generell durch die Investitionsplanung bzw. den Aus- und Umbaubedarf eines Netzes. Auch günstige Bedingungen, wie beispielsweise Leistungen aus Konzessionen oder einmalige Erlöse, können die Werte eines Unternehmens für ein oder mehrere Jahre beeinflussen.
- Daten müssen korrekt sein. Ein berechneter und publizierter Wert ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten. Das bedeutet, dass die Berechnungssysteme der ElCom korrekt funktionieren müssen und die Netzbetreiber der ElCom korrekte und qualitativ hochwertige Daten einreichen müssen.